Abschluss der Naturschutzfachkartierung im Landkreis Erlangen-Höchstadt
Erlangen-Höchstadt. Nach dreijähriger Erfassungszeit liegen die Ergebnisse der landkreisweiten Naturschutzfachkartierung vor. Im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) wurden intensive Untersuchungen zu diversen Tiergruppen durchgeführt. Die aktualisierten Daten sind Grundlage für wichtige Entscheidungsprozesse vor Ort und helfen, Planungen voranzubringen und Fördermittel gezielt und effektiv einzusetzen.
In Abstimmung mit der unteren und höheren Naturschutzbehörde an Landratsamt und Bezirksregierung wurde ein Untersuchungsprogramm für sechs Tiergruppen erarbeitet. „Unser Ziel war es, ein aktuelles und verlässliches Bild über die Entwicklung der heimischen Fauna zu gewinnen. Nur wenn wir wissen, wie sich Veränderungen in Landschaft, Klima und Bewirtschaftung auswirken, können wir fundierte Entscheidungen für den Natur- und Artenschutz treffen“, betont Landrat Alexander Tritthart. Auf ausgewählten Flächen wurden dafür Erhebungen durchgeführt und mit vorhandenen Altdaten verglichen.
Vögel, Reptilien, Amphibien, Libellen, Tagfalter und Heuschrecken standen im Fokus
Sehr erfreulich ist die verzeichnete Zunahme der Bestände bei einigen Brutvögeln. In ausgewählten Gebieten gelangen etliche Nachweise von Wendehals, Heidelerche, Baumpieper und Drosselrohrsänger. Bei den weiteren untersuchten Artengruppen sind sowohl Bestandsrückgänge festzustellen als auch Neuentdeckungen zu vermelden.
Fast alle bekannten Reptilienarten konnten nachgewiesen werden, nur die Kreuzotter scheint mittlerweile völlig aus dem Sebalder Reichswald verschwunden. Deutliche Rückgänge gibt es auch bei den Amphibien. Beim stark gefährdeten Moorfrosch, der im Aischgrund einen bayernweiten Siedlungsschwerpunkt hat, war dies durch vorherige Untersuchungen bereits bekannt. Doch auch die Nachweiszahlen von Kammmolch, Kreuzkröte, Knoblauchkröte, Grasfrosch, Feuersalamander und sogar der noch relativ häufigen Erdkröte blieben hinter den Erwartungen zurück, während die Bestände von Springfrosch, Teichfrosch und Seefrosch zugenommen haben.
Bei den untersuchten Insektengruppen zeigt die abschließende Bilanz ebenfalls Verluste und Gewinne. Schmetterlingsarten wie der Große Eisvogel oder die Rostbinde konnten nicht mehr beobachtet werden; Ebenso rückläufig sind die Bestände der Schwarzen Heidelibelle und der Braunen Mosaikjungfer, eine auffällige Großlibelle mit rötlich getönten Flügeln. Auch die Heuschreckenarten Warzenbeißer und Heidegrashüpfer wurden nicht mehr gefunden. Die Gesamtanalyse der Daten zeigt, dass der Rückgang der Artenvielfalt auch bei uns ein reales Thema ist. Von ehemals 96 im Landkreis Erlangen-Höchstadt beheimateten Tagfalterarten sind 36 Arten nicht mehr anzutreffen. Ines Langensiepen, Abteilungsleiterin Naturschutz am LfU erläutert hierzu: „Veränderte Landnutzung, Intensivierung und Versiegelung von Flächen gehören zu den Ursachen solcher Rückgänge. Auch die Klimaänderungen der letzten Jahre mit zunehmenden Durchschnittstemperaturen und Trockenheit wirken sich auf manche Arten negativ aus, erzeugen jedoch auch „Klimagewinner“ wie einige Neuentdeckungen zeigen.“ Beispiele sind die Libellenart Gabel-Azurjungfer, der Kurzschwänzige Bläuling oder das Weinhähnchen, eine wärmeliebende Grillenart.
Weiterführende Informationen
Die Naturschutzfachkartierung liefert aktuelle Daten zu bedrohten Tierarten in Landkreisen und kreisfreien Städten. Sie erfasst unter fachlichen Gesichtspunkten ausgewählte Flächen, aktualisiert dort vorhandene Artinformationen und schlägt Schutz- und Pflegemaßnahmen vor. Auflagen zum Schutz oder zur Bewirtschaftung sind nicht mit der Kartierung verbunden. Mögliche Einschränkungen ergeben sich ausschließlich aus bestehenden gesetzlichen Vorgaben. Die Ergebnisse werden zentral in einer landesweiten Datenbank gespeichert, vom LfU bayernweit koordiniert und auf Anfrage für Planungs‑ und Fördervorhaben bereitgestellt.
Weitere Informationen unter www.lfu.bayern.de/natur/naturschutzfachkartierung.