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Azubis für einen Tag

Meldung vom 19.09.2018
Geflüchtete Jugendliche berichten über ihre Erfahrungen am ersten Refugees‘ Day des Landkreises.

Stolz auf sich: Die Beteiligten am ersten Refugees‘ Day des Landkreises Erlangen-Höchstadt.
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15 geflüchtete Jugendliche haben beim ersten Refugees‘ Day des Landkreises Erlangen-Höchstadt Mitte August ein Tagespraktikum in einer Firma absolviert. Zwölf Arbeitgeber aus Stadt und Landkreis, vom Getränkemarkt über Krankenhäuser bis hin zu Frisören, haben sich an der Aktion beteiligt. Bei einem Nachtreffen im Erlanger Landratsamt haben sie gemeinsam mit den teilnehmenden Jugendlichen und Koordinatoren im Landratsamt Bilanz gezogen.

Weg für Ausbildung ebnen
„Das Praktikum soll Geflüchtete und Arbeitgeber zusammenbringen und den Kontakt für eine mögliche Hospitation, ein Praktikum oder eine Ausbildung fördern“ erklären die Organisatorinnen Cornelia Schmidt, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte des Landkreises, und Daniela Rotschka vom Jobcenter Erlangen-Höchstadt.

So wie bei Karam Al Najjar. Der Syrer hat im Rahmen des Refugees‘ Day bei der Firma Helmholz in Großenseebach einen Tag lang in die Hardwareentwicklung und Reparaturabteilung hineingeschnuppert. Dabei hat er einen elektronischen Würfel gebaut, Bauteile sortiert, Zahlensysteme gerechnet und umgewandelt und auch zum ersten Mal gelötet. „Karam Al Najjar hat sich sehr geschickt angestellt. Der Würfel hat funktioniert und er durfte ihn mit nach Hause nehmen“, berichtet Tobias Hirt von der Helmholzer Hardwareentwicklung. Die Firma war so begeistert von Karam Al Najjar, dass sie ihm für nächstes Jahr eine Ausbildung in Aussicht gestellt haben.

Passendes vermittelt
„Eine Ausbildung ist der beste Weg zur Integration“, sagt Thomas Dippold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Fürth. Der Refugees‘ Day sei ein schöner Versuch und ein neuer Weg, den Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen. Aktuell kämen immer mehr Stellen auf wenige Bewerber. Die große Stellenauswahl sei gut für die Bewerber, aber schwierig für Arbeitgeber. Die Aktion könne dazu beitragen, die Probleme zu lindern, da sie das Potenzial der jugendlichen Flüchtlinge ins Auge fasse. Auch der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Erlangen war bei der Akquise der Praktikumsstellen beteiligt. Per Steckbrief haben die Organisatoren den Jugendlichen ein passendes Praktikum vermittelt. Den Schwestern Hana und Sara Alissa aus Syrien haben ihre Praktika so gut gefallen, dass sie ihren Traumberuf gefunden haben. Beide waren einen Tag lang beim „Gasthaus Schwarzer Bär“ in Erlangen und haben in der Küche ausgeholfen. „Es hat mir viel Spaß gemacht, ich habe Salat geschnitten und Fische gewürzt. Mein Ziel ist jetzt eine Ausbildung“, sagt Hana Alissa.

Auch Mohi Al Muhsin erzählt der Runde im Landratsamt begeistert von seinen Erfahrungen. Er hat den Tag im Waldkrankenhaus verbracht. „Ich habe alles gemacht, von Spritzen geben über Körperpflege bis zu Essen austeilen. Mich interessiert es, mit Menschen zu arbeiten“, berichtet der Syrer. Die einzige Schwierigkeit: „In der Schule lernen wir Hochdeutsch. Fränkisch ist für mich oft schwierig zu verstehen“, sagt Mohi Al Muhsin

Positive Bilanz gezogen
„Ich freue mich, dass die Arbeitgeber unserer Idee gegenüber so offen waren. Der erste Refugees‘ Day war für alle ein Gewinn“, bilanziert Landrat Alexander Tritthart auf dem Nachtreffen. „Unsere Integrationsquote von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt beträgt zum August 20,3 Prozent. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schätzt, dass die Quote in den ersten fünf Jahren insgesamt 50 Prozent beträgt. Diese werden wir bereits nach zwei Jahren übertroffen haben“, berichtet Norbert Ratzke, Geschäftsführer des Jobcenters Erlangen-Höchstadt. Aktionen wie der Refugees‘ Day seien ein guter Auftakt dazu.

Nächstes Jahr wieder
Nach der Veranstaltung geht die Arbeit für die Organisatorinnen Cornelia Schmidt und Daniela Rotschka weiter. Auf Basis der geschilderten Erfahrungen und Wünsche wollen sie den „Refugees‘ Day“ im Frühjahr 2019 noch attraktiver machen. „Dieses Jahr war es aufgrund der Urlaubszeit nicht einfach, Firmen zu kontaktieren. Das werden wir nächstes Jahr berücksichtigen“, meint  auch Amar Alghadban vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit.

Doch zunächst führen Cornelia Schmidt und Daniela Rotschka Einzelgespräche mit den Jugendlichen und unterstützen sie weiter auf der Suche nach einer Hospitation, einem Praktikum oder einer Ausbildung.

 

Kategorien: Landratsamt