Vereinbarkeit stärkt Unternehmen und Beschäftigte
Erlangen. Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben ist längst kein freiwilliges Zusatzangebot mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Welche Rolle eine moderne, lebensphasenorientierte Personalpolitik dabei spielt, stand im Mittelpunkt des der morgendlichen Veranstaltung Wake up!- Das Vereinbarkeitsfrühstück im Landratsamt Erlangen-Höchstadt. Rund 20 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Personalverantwortliche aus dem Landkreis und der Region tauschten sich über wissenschaftliche Erkenntnisse und erfolgreiche Praxisbeispiele aus.
Familienfreundlichkeit als gelebte Personalstrategie
Landratsamt Erlangen-Höchstadt und Kreiskrankenhaus St. Anna beschäftigen sich im Rahmen des audit berufundfamilie seit mehr als zehn Jahren intensiv mit familien- und lebensphasenorientierter Personalpolitik. „Über die Jahre ist daraus vieles entstanden: neue Angebote, wertvolle Erfahrungen und ein neues Verständnis davon, wie moderne Personalpolitik aussehen kann“, betonte Landrat Alexander Tritthart. Flexible Arbeitszeiten, vielfältige Arbeitszeitmodelle, Homeoffice sowie eine gezielte Personalentwicklung mit regelmäßigen Führungskräfteschulungen sind heute feste Bestandteile der Arbeitswelt beider Einrichtungen.
Leistung und Vereinbarkeit gemeinsam denken
Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, machte deutlich, dass Beschäftigte heute unterschiedlichste Anforderungen gleichzeitig bewältigen – von Kinderbetreuung und Angehörigenpflege bis hin zu steigenden beruflichen Erwartungen. Leistung und Vereinbarkeit dürften deshalb nicht als Gegensätze verstanden werden.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Brigitte Waffenschmidt gab Schmitz inhaltliche Impulse. Die Expertin für Arbeitsalltagsgestaltung und digitale Bildung erläuterte, dass Motivation und Leistungsbereitschaft vor allem dort entstehen, wo Beschäftigte Verantwortung übernehmen, Gestaltungsspielräume erhalten und ihre Arbeit als sinnstiftend erleben. Vereinbarkeit sei daher kein „weicher Faktor“, sondern eine wesentliche Voraussetzung für Gesundheit, Motivation und nachhaltige Leistungsfähigkeit.
Mit aktuellen Zahlen verdeutlichte Waffenschmidt den Handlungsbedarf: Nur zehn Prozent der Beschäftigten in Deutschland fühlen sich emotional an ihren Arbeitgeber gebunden. Gleichzeitig würden 42 Prozent der Beschäftigten mit Familienverantwortung den Arbeitsplatz wechseln, wenn sich Beruf und Privatleben nicht ausreichend vereinbaren lassen. Hinzu kommen steigende Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Für eine erfolgreiche Vereinbarkeit brauche es daher mehr als einzelne Maßnahmen. Entscheidend sei das Zusammenspiel dreier Faktoren: Flexible Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle, verlässliche Strukturen für unterschiedliche Lebensphasen sowie eine Führungskultur, die auf Vertrauen, Eigenverantwortung und Wertschätzung setzt.
Praxisbeispiele aus der Region zeigen vielfältige Lösungen
Wie Vereinbarkeit im Unternehmensalltag erfolgreich gelingen kann, zeigten Möbel Fischer, Schwan-STABILO und die Fischküche Reck in einem Gallery Walk. Vorgestellt wurden unter anderem vielfältige Arbeitszeitmodelle, Wunschschichtsysteme, Homeoffice-Angebote, Sozialberatung sowie betriebliche Unterstützungsangebote für unterschiedliche Lebensphasen.
Beim anschließenden Austausch nahmen die Teilnehmenden zahlreiche Anregungen für ihre eigene Personalarbeit mit. Das Vereinbarkeitsfrühstück machte deutlich: Unternehmen, die ihre Beschäftigten in unterschiedlichen Lebensphasen unterstützen, schaffen attraktive Arbeitsbedingungen, stärken die Mitarbeiterbindung und sichern langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Weitere Informationen erteilt gerne die Familienbeauftragte des Landkreises, Katja Engelbrecht-Adler, unter Telefon 09131 803-1492 oder per E-Mail an familie@erlangen-hoechstadt.de.